85 Jahre Überfall auf die Sowjetunion
15. Jun 2026
85 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion erinnert pax christi an die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges und an die besondere historische Verantwortung Deutschlands gegenüber den Völkern Osteuropas. Zugleich fordert die katholische Friedensbewegung verstärkte diplomatische Initiativen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine und für eine neue europäische Friedensordnung.
Am 22. Juni 1941 begann mit dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion einer der verheerendsten Abschnitte des Zweiten Weltkriegs. Er war von einer rassistischen Ideologie geprägt und als Eroberungs- und Vernichtungskrieg angelegt. Millionen Menschen wurden entrechtet, vertrieben, versklavt oder ermordet. Allein in der Sowjetunion verloren etwa 27 Millionen Menschen ihr Leben. Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben in deutscher Gefangenschaft an Hunger, Kälte, Krankheiten und Zwangsarbeit. Zugleich weitete sich mit dem Krieg der nationalsozialistische Vernichtungsfeldzug gegen die jüdische Bevölkerung Osteuropas aus.
Die Erinnerung an diese Verbrechen bleibt eine Verpflichtung für Deutschland. Sie gilt den Menschen in Russland, der Ukraine, Belarus sowie den weiteren Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas, die unter Krieg, Besatzung und Gewalt gelitten haben.
Der Angriff Russlands auf die Ukraine vor viereinhalb Jahren hat zu einem verheerenden Stellungskrieg und einem Verlust an Vertrauen geführt, aus dem kein militärischer Ausweg erkennbar ist.
pax christi fordert die Bundesregierung und die Europäische Union dringend auf, ihre Bemühungen um eine diplomatische Beendigung des Krieges zu verstärken. Ziel muss zunächst ein belastbarer Waffenstillstand sein, der weiteres menschliches Leid verhindert und den Weg zu politischen Verhandlungen eröffnet. Dafür muss die Europäische Union einen Sonderbeauftragten für die Verhandlungen mit Russland benennen.
pax christi warnt zugleich vor der Vorstellung, Sicherheit lasse sich durch militärische Mittel erreichen. Notwendig sind neue Initiativen für Dialog, Vertrauensbildung, Rüstungskontrolle und gemeinsame Sicherheit, die die Sicherheitsinteressen der Ukraine, Russlands sowie aller Staaten Osteuropas berücksichtigen. Angesichts der fortschreitenden Entwicklung von Drohnentechnologie und KI-gestützten autonomen Waffensystemen und künstlicher Intelligenz im militärischen Bereich gewinnt die Begrenzung neuer Rüstungsdynamiken zusätzliche Bedeutung.
Mit Papst Leo XIV. ist pax christi überzeugt: „Um Konflikte zu bewältigen, verfügt die Menschheit über Mittel, die weitaus wirksamer sind als der Krieg und geeigneter, das menschliche Leben zu fördern, wie z.B. den Dialog, die Diplomatie und die Vergebung“ (Enzyklika Magnifica Humanitas)